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Grundstücksentwässerung

Kanalhaie

In Lünen bestehen ca. 16.200 private Kanalnetze. Die Netze müssen bis 2015 untersucht werden. Das hat zur Folge, dass die Betreiber der privaten Kanalnetze investieren müssen. Allein in Lünen werden die Kosten für die Untersuchung auf 25 - 30 Mio. Euro, die Kosten für notwendige Sanierungen auf 125 - 150 Mio. Euro geschätzt.

Für Inspektions- und Sanierungsfirmen gibt es ein sehr großes Auftragspotential. Das hat auch eine Reihe unseriöser Firmen (Kanalhaie) erkannt.

Bei den Kanalhaien arbeiten oftmals Drückerfirmen und Kanaldienstleistungsunternehmen zusammen.

Die Drückerfirmen gehen auf Kundenfang. Bevorzugt werden ältere Besitzer von Einfamilienhäusern, bei denen anzunehmen ist, dass sie ihr Haus in Ordnung halten wollen und dazu auch die nötige Kaufkraft haben.

Die Masche ist ganz einfach: es wird eine Kamerauntersuchung der Grundleitung für ca. 40-50 Euro pauschal angeboten.

Nimmt der Kunde das Angebot an, wird aber dafür keine umfassende TV Untersuchung der Grundleitung vorgenommen. Der erste Auftrag, für den Schnäppchenpreis, ist nur der Türöffner. Mit diesem kommt nur der Erstkontakt zustande.

Der Kunde wird dann auf eine umfassende der Leitung zu einem total überhöhten Preis festgenagelt. Dieser bewegt sich meistens um 2.000 Euro.

Nachdem die Leitung vermeintlich untersucht wurde, erhält der Kunde eine erneute Hiobsbotschaft, die Entwässerungsanlage muss umfassend saniert werden.

Es liegen dem SAL Unterlagen verschiedener Firmen vor.

In einem Fall sollte eine 80-jährige Witwe eine Sanierung für ca. 15.000 Euro durchführen lassen. Vorangegangen war die Schnäppchenuntersuchung für 50 Euro und eine weitergehende Untersuchung für 1.800 Euro. Über die Untersuchung liegt eine Aufzeichnung vor. Die Kameraaufnahmen lassen nur verschwommen erkennen, dass man sich in einem Kanal befindet. Ein genaues Schadensbild ist nicht ersichtlich. Trotzdem wurde die 80-jährige Frau dazu gebracht, einen Sanierungsauftrag zu unterzeichnen. Wie in fast allen Fällen umfasste die Sanierung Fräsarbeiten und Kurzliner.

In einem anderen Fall wurde ein Hausbesitzer dazu gebracht, nach einer Kameradurchfahrt, einen Sanierungsauftrag in Höhe von ca. 4.000 Euro zu unterzeichnen. Da dem Hausbesitzer nach der Unterzeichnung des Auftrages Zweifel kamen, hat er beim SAL um Rat nachgefragt. Eine erneute Kamerauntersuchung durch eine seriöse Firma ergab, dass es in der Entwässerungsanlage keinerlei Schäden gab.

Die vorliegenden Unterlagen wurden der Kriminalpolizei zur Verfügung gestellt.

Derzeit sind dem SAL fünf unseriöse Dienstleistungsunternehmen, "Kanalhaie", aus NRW bekannt. Diese Kanalhaie sind teilweise Mitglied in Verbänden wie Güteschutz Kanalbau, DWA oder VDRK. Die Namen der Kanalhaie tauchen auch immer wieder auf Empfehlungslisten von öffentlichen Kanalnetzbetreibern auf.

Mit ihren Tätigkeiten schaden die Kanalhaie nicht nur betroffenen Grundstückseigentümern, sondern auch allen öffentlichen Kanalnetzbetreibern, die sich um eine Reduzierung der Missstände bei der Grundstücksentwässerung bemühen.

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