Grundstücksentwässerung
Der Umwelt zuliebe: Lünener Entwässerungspass - Sicherheit und Mehrwert für Hausbesitzer
Für die Instandhaltung der privaten Kanalnetze ist der Eigentümer verantwortlich. Leider sind diesem seine Verantwortung und die Konsequenzen fehlender Wartung seiner Netzabschnitte allzu häufig nicht bewusst. Folgen können Umweltrisiken, aber auch ein Wertverlust der Immobilie sein.
Für Eigentümer verbindliche Dichtheitsprüfungen
der Schmutzwasserleitungen halten den Wartungsgedanken wach und machen
eine Prüfung der Anlagen bis 2015 erforderlich.
Auch unseriöse Dienstleistungsunternehmen springen auf diesen Zug auf und bieten Grundstückseigentümern unsachgemäß durchgeführte Untersuchungen zu überteuerten Preisen an.
Mit der Auswahl des richtigen Dienstleistungsunternehmens ist der Bürger allein; objektive Beratungsangebote fehlen.
Hier setzt der Entwässerungspass des SAL (Stadtbetrieb
Abwasserbeseitigung Lünen) an: Mit einem Beratungsangebot eines Non-Profit-Unternehmens
für mehr Sicherheit rund um das private Kanalnetz.
Die Situation in Lünen
Über das öffentliche Kanalnetz hinaus existieren in Lünen rund 16.200 private Kanalnetze. Schätzungsweise 70 % von ihnen stellen derzeit ein Risiko für die Umwelt oder den Grundstückseigentümer selbst dar (Stand 2007).
Grundsätzlich unterliegen Grundstücksentwässerungsanlagen den Regelungen des Baurechtes und den Anforderungen des Wasserrechts. Die Verantwortung für die ordnungsgemäße Funktion und Instandhaltung der Grundstücksentwässerungsanlage liegt in der Hand des Eigentümers.
Weil Fehlfunktionen der Grundstücksentwässerung die öffentliche Abwasseranlage beeinträchtigen beziehungsweise eine Erfüllung der Abwasserbeseitigungspflicht erschweren und undichte Rohre ein Risiko für die Umwelt darstellen, ist in Nordrhein-Westfalen die Durchführung einer Dichtheitsprüfung von Schmutzwasserleitungen bis Ende 2015 für Grundstückseigentümer verbindlich.
Weitere Folgen nicht sachgemäßen Grundstücksentwässerungsanlagen können eine Überflutung der Unterhalb der Rückstauebene liegenden Wohnräume, Hohlraumbildung im Erdreich, ein Bruch der Abwasserleitung oder Mauerfeuchte und Schimmelbildung sein. All dies geht immer auch mit einem Wertverlust der Anlagen einher.
Den Bürger nicht allein lassen
In der Praxis sind rechtliche, technische und wirtschaftliche Zusammenhänge der Grundstücksentwässerung für die Mehrzahl der Grundstückseigentümer schwer durchschaubar. Um eine ökologisch und wirtschaftlich sinnvolle und angemessene Entscheidung zu treffen, sind neben Kenntnis der Gesetzeslage auch das Wissen um die Interessen des öffentlichen Kanalnetzbetreibers, die Bedingungen der eigenen Gebäudeversicherung oder eine realistische Einschätzung der Leistungsfähigkeit von Dienstleistungsunternehmen erforderlich. Hinzu kommt, dass auf Seiten der Hauseigentümer oftmals die Kaufkraft fehlt, um sinnvolle Änderungsmaßnahmen an der Grundstücksentwässerungsanlage durchführen zu können. Der Eigentümer weiß, dass eine Prüfung notwendig ist, fürchtet sich aber oft vor der Konsequenz, die die Ergebnisse der Prüfung mit sich bringen könnten.
Dienstleistungsunternehmen rund um die Grundstücksentwässerung bieten unterschiedlichste Inspektions- und Sanierungsverfahren zur Erkennung und Behebung von Missständen am privaten Kanalisationsnetz an. Welche dieser Verfahren aber tatsächlich für die spezielle Situation des Grundstücks geeignet ist, ist vom Grundstückseigentümer kaum zu erkennen. Hier sind Eigentümer in der Regel darauf angewiesen, dass das von dem entsprechenden Dienstleistungsunternehmen empfohlene Vorgehen auch tatsächlich das für die jeweilige Situation angemessene und bestmögliche Prozedere ist.
Als gewinnorientiert arbeitende Unternehmen bieten
Dienstleister den Grundstückseigentümern in der Regel die Leistungen
an, die von dem entsprechenden Unternehmen auch erbracht werden können.
Ein Hinweis auf eventuell geeignete Verfahren konkurrierender Unternehmen
entfällt.
Eine Bewertung der ihm zugänglichen Informationen zur bestmöglichen Sanierung seiner Grundstücksentwässerungsanlagen bleibt dem Eigentümer überlassen - und dieser ist in den meisten Füllen nicht in der Lage, die ihm präsentierten Möglichkeiten in seinem eigenen Interesse richtig zu bewerten.
Einige unseriöse Dienstleistungsunternehmen nutzen die schwierige Situation aus, beraten mangelhaft oder gar falsch und locken die Grundstückseigentümer in Verträge, die der Situation nicht angemessen und/oder im Preis-Leistungsverhältnis überteuert sind. Grundstückseigentümer und, falls ein Versicherungsschutz besteht, die Versicherungen sind die Geschädigten.
Was die Grundstückseigentümer in der Regel nicht wissen: E in erfolgreicher Dichtheitsnachweis ist nur der Indikator dafür, dass vom Kanalnetz kein Umweltrisiko ausgeht. Er sagt jedoch nichts über eventuelle weitere ? und nicht selten gravierende ? Risiken aus, die mit den erkannten Schäden für den Netzbetreiber einher gehen können.
Weil technische Möglichkeiten und das Gesetz
gleichermaßen Handlungsspielräume lassen, sind die Grundstückseigentümer
in ihrem eigenen, aber auch im Interesse der Umwelt, dringend auf eine
Instanz angewiesen, die sie ohne eigenes finanzielles Interesse umfassend
berät.
Stadtbetrieb Abwasserbeseitigung Lünen AöR (SAL) geht neue Wege
Als öffentlicher Kanalnetzbetreiber und Non-Profit-Unternehmen setzt der Stadtbetrieb Abwasserbeseitigung Lünen AöR an dieser Schwachstelle an. Das Interesse des privaten Kanalnetzbetreibers ist es, ein möglichst risikofreies Netz zu besitzen. Grundlegende Informationen über die Zusammenhänge der Grundstücksentwässerung sind der wichtigste Schritt, um den privaten Kanalnetzbetreiber dazu zu veranlassen, aus eigener Initiative tätig zu werden, um eben dieses risikofreie Netz zu gewährleisten.Der SAL bietet diese Informationen ohne eigenes finanzielles Interesse an und führt zusätzlich, so gewünscht, gezielte und der spezifischen Situation angepasste Beratungsgespräche durch. Ziel der Informationsangebote ist zunächst, dass Betreiber privater Entwässerungsanlage in ihrem eigen Interesse erkennen, dass:
- die Grundstücksentwässerungsanlage dauerhaft funktionieren muss
- die Rohrleitungen standsicher sind
- bei Starkregenereignissen Überflutungen verhindert werden
- Wasserschäden mit der Folge von Zerstörung der Bausubstanz und Gesundheitsproblemen verhindert werden
- der Wert der Grundstücksentwässerungsanlagen durch Unterhaltung möglichst lange erhalten bleibt ?schadhafte Anlagen ein Risiko für die Umwelt darstellen
- möglicherweise, etwa durch alternativen Umgang mit dem Regenwasser, Abwassergebühren eingespart werden können.
Um dem Grundstückseigentümer aber auch
darüber hinaus eine nachprüf- und belegbare Funktionstüchtigkeit
seines Kanalnetzes zu bescheinigen, hat der SAL ein Zertifikat entwickelt:
den Entwässerungspass.
Der Lünener Entwässerungspass

Der Entwässerungspass stellt für Eigentümer und
Dritte gleichermaßen ein Gütesiegel für ein risikofreies
Kanalnetz dar, dessen Erwerb freiwillig ist. Der Pass wird vom SAL ausgestellt;
eine Gebühr für die Ausstellung wird nicht erhoben. Beantragen
können den Entwässerungspass sowohl Bauherren bei Neubauten
als auch Besitzer bestehender Grundstücke.
Voraussetzungen zur Ausstellung des Entwässerungspasses
Zur Erlangung des Entwässerungspasses
sind die folgenden Nachweise zu erbringen:
- Funktion der Grundstücksentwässerungsanlage
Die Funktion der gesamten unterhalb der Rückstauebene verlegten Grundstücksentwässerungsanlage ist erkennbar. Eine optische Überprüfung aller Rohrleitungen lässt keine Funktionsbeeinträchtigungerkennen.
- Standsicherheit der Leitungen
Die Standsicherheit der Rohrleitungen wird durch eine optische Überprüfung nachgewiesen.
- Dichtheit
Der Nachweis der Dichtheit der erdverlegten Entwässerungsanlage wird durch einen Dichtheitsnachweis erbracht. Die optische Dichtheit wird, außer bei problematischen Gewerbe- oder Industrieabwässern, anerkannt.
- Rückstau
Die unterhalb der Rückstauebene liegenden Räume müssen gegen Rückstau nach den Regeln der Technik gesichert sein.
- Leistungsfähigkeit der Rohrleitungen
Die Rohrleitungen müssen ausreichend groß bemessen sein, um die Wassermengen bei normalen Regenereignissen ableiten zu können.
- Dränage
Für die Zulässigkeit der Dränage wurde der Nachweis erbracht, dass die Dränagerohre oberhalb desnormalen Grundwasserspiegels liegen. Die Einleitung in das öffentliche Kanalsystem erfolgt über einen Übergabeschacht mit Sandfang und Hebeanlage.
Der Entwässerungspass hat eine Laufzeit von 20 Jahren.
Sicherheit und Mehrwert für Eigentümer
Die Vorteile für den Besitzer eines Entwässerungspasses liegen auf der Hand: Er hat die Sicherheit,dass seine Grundstücksentwässerungsanlage den gesetzlichen Bestimmungen entspricht und betriebssicher ist. Der Schutz seines Wohnraumes ist auch bei Starkregenereignissen gesichert. Der Wert des Gebäudes wird gesteigert, und als kleines Extrabonbon locken Einsparungsmöglichkeiten bei der Gebäudeversicherung von bis zu 30 % (je nach Wahl der Versicherungsgesellschaft).
Die gute Nachricht ist: Bei vielen bestehenden Gebäuden ist die Ausstellung eines Entwässerungspasses auch ohne übermäßigen finanziellen Investitionsaufwand möglich. Auch bei Neubauten ist der Investitionsaufwand im Verhältnis zu den wirtschaftlichen Vorteilen im gesamten Lebenszyklus des Gebäudes gering. Es ist selbstverständlich möglich, dass sich bei bestehenden Gebäuden der Investitionsaufwand als so groß herausstellt, dass wirtschaftliche Überlegungen dem Wunsch, eine in der Gesamtheit risikolose Grundstücksentwässerungsanlage zu besitzen, entgegenstehen. Aber auch ein solches Gebäude kann langfristig bei einem Verkauf einen höheren Verkaufswert erzielen, wenn es über einen Entwässerungspass verfügt.
Hand in Hand - Motivation zum Umweltschutz inklusive
Für den Eigentümer stellt der Entwässerungspass somit eine Wertsteigerung dar und garantiert ihm Transparenz bei der Bewertung seiner unterirdischen Besitztümer. Und hier bietet sich auch für Entwässerungsunternehmen generell ein zugkräftiger Ansatzpunkt, den Bürger zu motivieren, sich für sein für ihn unsichtbares Eigentum einzusetzen und ihm die Wichtigkeit seines Handelns in Bezug auf die Umweltsituation generell nahe zu bringen. Ist dem Bürger erst einmal bewusst, wo er steht, und welche (häufig geringen) Kosten ihm langfristig Sicherheit in Bezug auf die Werterhaltung seines Besitzes geben können, ist er der Erfahrung nach auch in späteren Fällen gern bereit, sich erneut kompetenten Rat zu holen, und so Schäden an seinem Eigentum und unser aller Lebensraum auch zukünftig zu vermeiden.
Transparenz gibt Sicherheit. Non-Profit-Unternehmen können diese Transparenz gewährleisten, ohne sich dem Verdacht stellen zu müssen, sich an den vorgeschlagenen Maßnahmen bereichern zu wollen. Ein bundesweit einheitlicher Entwässerungspass könnte diese Transparenz und Sicherheit der Grundstückseigentümer sicherlich verstärken - und böte seriösen und engagierten Unternehmen rund um die Grundstücksentwässerung somit langfristig eine Möglichkeit, Vertrauen aufzubauen und das eigene Profil zu schärfen.
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